01.04.2008 / Österreich

Bürohaus der Zukunft

In Wien entsteht ein Bürohaus mit Passivhausstandard - es spart 80 Prozent an Energie gegenüber herkömmlichen Bürogebäuden

Rund 40 Prozent des europäischen Energiebedarfs gehen auf das Konto von Gebäuden. Büroimmobilien gelten dabei als Energiefresser schlechthin. Einen anderen Weg eingeschlagen hat der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF) mit der Entwicklung des energieeffizienten Passivbürohauses Energybase. Die Wirtschaftsagentur der Stadt Wien realisiert dieses 14 Millionen Euro teure Vorhaben bis Juli 2008. Das Pilotprojekt soll zur Entwicklung eines energieeffizienten Gebäudetypus beitragen, der auch in größeren Dimensionen zum Einsatz kommen soll.

Die Latte ist hoch gelegt: Reduktion des Energiebedarfes für Heizung, Kühlung, Lüftung und Beleuchtung um 80% verglichen mit einem Standardgebäude gleicher Größe sowie eine CO2-Emissionsverringerung von 200 Tonnen pro Jahr.

Sonne und Grundwasser liefern Energie

Energybase besteht großteils aus einer Holzleichtbaukonstruktion, die mit einer Wandstärke von 31 Zentimetern Passivhausstandard erreicht. Um den Primärenergiebedarf so gering wie möglich zu halten, wird auf den Einsatz erneuerbarer Energieträger und Energieeffizienz gesetzt. Ein Viertel des Energiebedarfs deckt Energybase durch die Erzeugung von Solarstrom. Durch den niedrigen Energiebedarf belaufen sich die Energiekosten nur auf ein Fünftel einer herkömmlichen Büroimmobilie.

Eine große Rolle spielt dabei die südseitige und stufenförmig angelegte Gebäudefassade, die mit 400 m2 Photovoltaik-Modulen und 300m² solarthermischen Kollektoren bestückt wird. Die Photovoltaik-Elemente decken mit rund 42.000 kWh pro Jahr nicht nur einen bedeutenden Teil des Energiebedarfs, sondern wirken vor allem im Sommer auch als Verschattungselement für die dahinter liegenden Räumlichkeiten.

Besonders sparsam arbeitet Energybase beim Heizen. Mit einem Heizenergiebedarf von nur knapp über 12 kWh/m2 liegt das Bürogebäude deutlich unter dem Schwellenwert von Passivhäusern von 15 kWh/m2. Büroimmobilien herkömmlicher Bauart weisen bis zu fünfzehn Mal höhere Werte auf.

Für die Beheizung des Gebäudes wird Wärme auf niedrigerem Temperaturniveau über eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe dem Grundwasser entzogen. Die Verteilung der so gewonnenen Wärme erfolgt nach dem so genannten Prinzip der Baukörperaktivierung über Kunststoffrohre, die in den Stahlbetondecken eingelegt sind. In den Sommermonaten sorgt „Free Cooling“ für die Kühlung des Gebäudes: Das Grundwasser wird nur über einen Wärmetauscher geleitet und so direkt zur Kühlung genutzt. Zusätzlich wird „Solare Kühlung“ eingesetzt, die mit Wärme aus den Solarkollektoren arbeitet.

Pflanzen verbessern Raumklima

Eine Neuheit in Österreich ist die Nutzung von Pflanzen zur natürlichen Befeuchtung und Konditionierung der Raumluft während der Wintermonate. In viergeschossigen Pflanzenpufferräumen sorgen 500 Pflanzen einer speziellen Art des Zyperngrases für Luftfeuchtigkeit und filtern Schadstoffe aus der Luft. 

Mehr Informationen finden Sie hier.

Quelle: Energy20