04.03.2008 / Österreich

Größtes Klimaproblem: Verkehr

Österreichs größtes Klimaschutzproblem ist der Verkehr. Das ist die Schlussfolgerung der kürzlich vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) präsentierten Studie "Klimaschutz Verkehr".

2006 hat der Verkehr allein in der Alpenrepublik 23,25 Mio. Tonnen Treibhausgase emittiert. Das sind um 83 Prozent mehr als noch 1990. Laut Studie, an der unter anderem die Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb von der Wiener Universität für Bodenkultur mitgearbeitet hat, können die Emissionen des Verkehrs aber bereits bis zum Jahr 2010 um 30 Prozent verringert werden.

Der Verkehr spielt nach Expertenmeinung beim Klimawandel eine zentrale Rolle. Weltweit hatte der Verkehr 2004 einen Anteil von 13,1 Prozent an den Treibhausgasen. "Der Transportsektor ist stärker als jeder andere Sektor von fossilen Rohstoffen abhängig", betonte Kromp-Kolb bei der Präsentation der Studie. Eine Welt mit einer um zwei Grad Celsius höheren Temperatur sei eine komplett andere Welt, betonte sie. Sehr viel Spielraum gebe es daher nicht mehr. "Bis 2020 müssen wir die Treibhausgasemissionen um 15 bis 30 Prozent reduzieren. Um das zu schaffen, müssen wir alle Register ziehen. An erster Stelle muss der Energiebedarf gesenkt und die Energieeffizienz gesteigert werden." Im Weiteren sei zusätzlich noch auf erneuerbare Energiesysteme umzusteigen. Atomenergie und Kohlekraftwerke sind für die Expertin kein probates Mittel.

"Die Bedarfssenkung setzt bereits bei der Raumplanung an", betont Kromp-Kolb. Wenn Verkehrswege kurz gehalten werden und mit dem Fahrrad oder zu Fuß bewältigt werden können, wäre das ideal. "Technologischen Verbesserungen im Verkehrsbereich und alternativen Kraftstoffen wird sowohl im IPCC-Bericht als auch in den EU-Dokumenten vergleichsweise viel Raum gewidmet, während beispielsweise der Rolle der Raumplanung nicht die ihrer Wirksamkeit entsprechende Bedeutung geschenkt wird", meint Kromp-Kolb.

Weitere Fakten der Studie:

  • 60 Prozent der heute in Österreich zurückgelegten Wege sind kürzer als vier Kilometer. Es werden aber 37 Prozent mit dem Auto zurückgelegt.
  • Würde jede zweite kurze Autofahrt mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden, können 375.000 Tonnen CO2 vermieden werden.
  • In Österreich fehlen Anreize zu einem klimafreundlicheren Mobilitätsverhalten.
  • Österreichs Bevölkerung legt pro Jahr rund 83 Mrd. Kilometer mit dem Auto zurück.
  • Das sind 70 Prozent der gesamten Personenverkehrsleistung.
  • Nur zwei Kilometer Autofahrten pro Person und Tag weniger reduzieren die Treibhausgas-Emissionen um rund 750.000 Tonnen jährlich.
  • Effektive Mittel wären Tempolimits und eine Maut der tatsächlich zurückgelegten Kilometer auf Autobahnen.
  • Im Gütertransport sollte eine flächendeckende Lkw-Maut sowie die Anhebung der Mineralölsteuer von Diesel auf das Niveau von Benzin erfolgen.
  • Wesentlich für den Klimaschutz sind emissionsärmere Fahrzeuge.
  • Die in der EU geplanten CO2-Grenzwerte sind viel zu hoch, da viele Mittelklasse-Autos bereits heute klimafreundlicher sind, als die EU als Norm für das Jahr 2012 vorschreiben möchte.
  • Im Bereich Flugverkehr wird für eine Kerosin-Besteuerung für EU-Binnenflüge plädiert.
  • Nur sieben Prozent der Weltbevölkerung sind in ihrem Leben einmal geflogen.
  • Trotzdem wurden weltweit 2006 bereits 4.238 Mrd. Flugkilometer zurückgelegt.
  • In Österreich hat der Flugverkehr im Jahr 2006 mit 311.476 Starts einen neuen Rekordwert erreicht.
  • Allein in Österreich wurden 2007 rund 725.000 Tonnen Kerosin getankt.
  • Der Verzicht der Steuer auf Kerosin in der gleichen Höhe wie auf Heizöl leicht bedeutet einen Ausfall von Steuereinnahmen in der Höhe von 56,8 Mio. Euro.

RN