27.05.2008 / ENERGY GLOBE Award

Interview mit Aamir Khan

Der Bollywoodstar und ENERGY GLOBE-Laudator plädiert für einen sparsamen und gerechten Umgang mit den Ressourcen

F: Klimawandel einerseits, wachsender Energiebedarf insbesondere in Schwellenländern andererseits. Wie geht Indien damit um?
Ich bin kein Politiker. Ich habe einige kreative Ideen dazu. Ich bin nicht getrennt von der Erde, sondern ein Teil davon. Die Erde besteht zu 80% aus Wasser, so wie ein Körper. In Indien haben wir diese Philosophie der drei Gottheiten: Brahma, der Gott der Schöpfung, Vishnu, der Gott des Bewahrens und Shiva, der Gott der Zerstörung. Wir glauben, dass alles, was existiert, diese drei Stadien durchläuft.

Wir [Menschen] erheben uns über die Erde, denn wir sind die einzigen Kreaturen, die gegen die Natur handeln. Wenn es heiß ist, dann schalten wir Klimaanlagen ein, wenn es kalt ist eine Heizung; wir legen viele Meilen in wenigen Stunden zurück um Entfernungen zu bezwingen. Wir kontrollieren die Erde. Wir handeln gegen alles, was natürlich ist.

F: Also meinen Sie, die Zerstörung kann nicht aufgehalten werden?
Für mich ist Zerstörung ein natürlicher Prozess, genauso wie es die Geburt ist.

Es ist an der Zeit zurückzublicken und uns zu fragen: was tun wir? Wir meinen, wir müssten neue Energiequellen finden – aber dies bedeutet, dass wir weiter beschleunigen statt zurück zu gehen. Es gibt Möglichkeiten, die Dinge zu verlangsamen, dass Leben zu respektieren.

Wir verschwenden einige unserer Ressourcen und das ist eine Schande. Ressourcen zu schonen, muss der erste Schritt sein. Wir müssen garantieren, dass die Menschen überall auf der Welt ihre Grundbedürfnisse abdecken können. Zum Beispiel: wenn wir Wasser haben, sollten wir es sinnvoll nutzen und das teilen, was wir nicht benötigen.

F: Was tragen Sie persönlich zum Klimaschutz bei?
(lacht)… nicht genug. Ich versuche soviel Wasser wie möglich zu sparen, Strom nicht zu verschwenden, auch Papier nicht. Die meisten von uns, die in großen Städten leben, haben sich an einen bestimmten Lebensstil gewöhnt. Ich würde empfehlen, auf Handys zu verzichten. Wir können Klimawandel verzögern, wir können respektieren, was wir haben.

Die meisten von uns in Indien versuchen mit dem Fortschritt zu gehen… was wir so unter Fortschritt verstehen. Meine Frage ist: was ist Fortschritt? Alle Dinge, die zum Fortschritt gehören und uns das Leben leichter machen, haben zu großer Zerstörung geführt – egal ob Flugzeuge, elektrischer Strom, Mobiltelephone oder große Fabriken.

Quelle: Aussendung des Europäischen Parlaments