27.05.2008 / ENERGY GLOBE Award

Interview mit Maneka Ghandi

Die Vorsitzende Der ENERGY GLOBE Jury: Es gibt kein moralisches Recht auf Verschmutzung

F: Was sind die hauptsächlichen Umweltprobleme, mit denen die Welt momentan konfrontiert ist?

Das Hauptproblem sind die Regierungen, die nicht die notwendigen politischen Weichenstellungen vornehmen, weil sie Angst vor möglichen Konsequenzen auf die Wahlergebnisse haben. Also gehen sie lieber zur Hölle als die Macht zu verlieren – was sie gar nicht müssen, denn das Volk ist nicht dumm, die Machthaber unterschätzen es.

Zweites Problem ist das Bevölkerungswachstum. Als ich geboren wurde, gab es eine Milliarde Menschen auf der Erde. Ich bin jetzt 51 Jahre alt und nun sind wir 7 Milliarden, mit größeren Ansprüchen, für die Ressourcen benötigt werden.

Als es eine Milliarde Menschen gab, wollten nicht alle von ihnen Privatjets, Prada-Kleidung, 25 verschiedene Paar Schuhe und Reisen haben.

F: Die Schwellenländer sagen oft, dass es ungerecht sei, von ihnen eine Begrenzung ihres Treibhausgasausstoßes zu verlangen, während die reichen Länder ihren Reichtum ohne solche Einschränkungen erlangt haben. Haben die Schwellenländer eine moralisches Recht auf Schadstoffausstoß?

Es gibt kein solches moralisches Recht. Es kommt nicht darauf an, wer es zu erst getan hat und wer als zweiter – wir sterben alle gemeinsam.

Als Amerika, Deutschland und Japan – die größten Emittenten – sich entwickelten, gab es keine Alternativen. Heute haben Indien, China und der Rest der Welt Tausende von Alternativen, auf die sie umsteigen können, ohne dass dies notwendigerweise teuer sein muss.

F: Wie können einzelne Menschen zum Klimaschutz beitragen?

Einige mögen sagen: Ich werde an diesem Wochenende mein Auto stehen lassen. Andere mögen anderes sagen, wichtig ist, dass solche individuellen Schritte allgemeine Praxis in allen Bereichen werden. Wenn die Regierung sagen würde, dass niemand am Sonntag Auto fahren darf, dann müssen alle – auch die Reichen – den Bus nehmen.

F: In Ihrer Pressekonferenz haben Sie von einem Post-Öl-Zeitalter gesprochen. Welche Alternativen zum Öl sehen sie?

Mein Land blutet jeden Tag, denn wir können uns einen Ölpreis von 132 US-Dollar [pro Barrel] nicht leisten, ein Ölpreis der vielleicht schon nächste Woche 135 und dann 140 Dollar betragen wird.

Wir müssen also möglichst schnell das Ölzeitalter überwinden. Jedes Dorf sollte ein unabhängiger Energieproduzent und -verbraucher werden, sei es mit Biokraftstoff, Sonnenenergie oder Windkraft. So vermeiden Sie Verschwendung und Abgase.

Quelle: Aussendung des Europäischen Parlaments