29.04.2008 / Forschung & Entwicklung

Energiequelle Abwasser

Semi-dezentrale Abwasserreinigung als Alternative zum Kanalanschluss in ländlichen Gebieten, gleichzeitig wird Biogas und Dünger erzeugt

Eine neue Möglichkeit, in dünn besiedelten Gebieten eine effiziente und leistbare Abwasserentsorgung zu erreichen, stellen Forscher des Fraunhofer Institutes Anfang Mai auf der IFAT (Internationale Fachmesse für Wasser-Abwasser-Abfall-Recycling) in München vor: Eine kommunale Kläranlage, die gleichzeitig Biogas und Dünger erzeugt. Das Modell wird in einem Neubaugebiet im deutschen Knittlingen bereits erfolgreich durchgeführt.

Die Abwässer und Küchenabfälle aus den Häusern gelangen über ein Vakuumsanitärsystem direkt in die dezentrale Sammelstelle. Weil die Bewohner, die Vakuumtechnik benutzen, wenig Wasser zum Spülen der Toiletten benötigen, ist das Abwasser hochkonzentriert. In einem Bioreaktor – einem geschlossenen mit anaeroben Bakterien gefüllten Behälter – wird es gereinigt: Die Bakterien zersetzen die organischen Stoffe, übrig bleibt Biogas, das man zum Kochen, Heizen oder als Treibstoff für Fahrzeuge verwenden kann. Ein spezieller Membranfilter reinigt das Wasser von Bakterien und führt diese in den Bioreaktor zurück.

Innovative Betreibermodelle können die Anschaffung erleichtern

Im Fraunhofer Institut werden auch andere Modelle der semi-dezentralen Abwasserreinigung entwickelt. Um das Problem der Finanzierung zu lösen, arbeitet man auch an innovativen Betreibermodellen. So kann beispielsweise die Anschaffung der neuen Technik von einem Unternehmen finanziert werden, das dann für die Nutzung Gebühren erhebt. Nach zehn Jahren geht die Anlage in den Besitz der Hauseigentümer über.

Quelle: Fraunhofer Institut

KD